Marc Willière, geboren in Luxemburg am Tag der Unterzeichnung der Römischen Verträge (25. März 1957), begann seine Karriere als Journalist 1977 in der Tageszeitung „Luxemburger Wort“. Er arbeitete für die Lokal-, die Kultur sowie für die Politikredaktion und wurde im Jahr 2000 zum Chef vom Dienst befördert. Diesen Posten bekleidet er bis heute in der größten und ältesten Zeitung Luxemburgs. Marc Willière ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

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Das Interview führte das Presse- und Kommunikationsbüro der Griechischen Botschaft in Luxemburg.

Lesen Sie das Interview:

Sie sind ein erfahrener Journalist mit viel Respekt und langjährigem Interesse an der griechischen Kultur und an der griechischen Sprache. Können Sie uns bitte Ihr Verhältnis zu Griechenland erklären?

Einem glücklichen Zufall habe ich es zu verdanken, dass ich bereits in jungen Jahren Griechenland und seine Kulturkennenlernen durfte: Bei einer Klassenreise während der Osterferien 1973, die unser damaliger Lateinlehrer organisiert hatte, versetzen mich die Akropolis in Athen, das Theater von Epidauros oder die Klöster von Meteora erstmals in Erstaunen und sollten mich seitdem nicht mehr loslassen. Meinen Eltern bin ich noch heute dankbar dafür, dass sie mir diese Reise überhaupt ermöglichten – trotz des damaligen nicht unerheblichen finanziellen Aufwandes. Private wie auch berufliche Besuche ließen in der Folge diese anfängliche Bewunderung weiter gedeihen, wozu auch persönliche Bekanntschaften das Ihre beitrugen. Nur zum Erlernen der griechischen Sprache ist es bislang – leider – noch nicht gekommen. Aber was nicht ist, kann immer noch werden …

Sie reisen öfters nach Griechenland. Welche sind Ihre persönlichen Erlebnisse, die mit Griechenland eng verbunden sind?

Eine Reise nach Griechenland ist für mich immer ein besonders Ereignis. Woran das aber genau liegt, ist noch immer nicht so einfach zu beschreiben. Vielleicht ist es nur der frühe Kontakt, der einen dermaßen prägte, dass er bis heute ununterbrochen nachwirkt? Jedenfalls sind es aber das so ganz andere Lebensgefühl und die grundverschiedenen Tagesabläufe. Sie mögen dem Nordeuropäer wohl nicht so recht ins Konzept passen, ließen aber in ihm die Kenntnis reifen, dass das Leben nicht unbedingt von Hektik geprägt sein muss. Das „siga, siga“ (langsam, langsam) hat durchaus auch seine Vorteile. So vermag ein Griechenland-Aufenthalt stets ungewollt zu mehr Gelassenheit und damit auch zu mehr Erholung zu führen.

Wie haben Sie sich entschieden, Mitglied des Vereins „Les Amis de la Grèce“ zu werden? Was halten Sie von der Entwicklung der griechischen Sprache in Luxemburg?

Meine Mitgliedschaft in der luxemburgischen Vereinigung „Les Amis de la Grèce“ ist eigentlich eine logische Folge meiner bisherigen „griechischen Erfahrungen“. Als deren Präsident Edouard Wolter mich um Mitarbeit bat, habe ich spontan zugesagt – aus Anerkennung für die bisher geleistete Arbeit. Andererseits wollte ich meinen bescheidenen Teil zur griechisch-luxemburgischen Freundschaft beitragen. Seit fast 50 Jahren ist Griechisch nicht mehr Bestandteil des regulären klassischen Sekundarunterrichts. Folglich war es nur normal, dass das Interesse daran nachließ. Und trotzdem lassen immer noch Menschen für die griechische Sprache begeistern. Dass sie dafür einen nicht unerheblichen Teil ihrer Freizeit opfern, ist ihnen hoch anzurechnen. Auch wenn sie die erworbenen Sprachkenntnisse eigentlich nur bei Reisen nach Griechenland nutzen können. Dass sie die Strapazen dennoch auf sich nehmen, hängt wohl auch mit der Sprache an sich zusammen. Die Sprache einer großen Zivilisation, der wir nicht nur die Demokratie zu verdanken haben, versprüht weiterhin eine gewisse Aura.

Wie würden Sie die heutigen kulturellen Beziehungen zwischen Griechenland und Luxemburg beschreiben? Welche Initiativen könnten, Ihrer Meinung nach, zum gegenseitigen Verständnis und zur weiteren Annäherung zwischen den Völkern beider Länder beitragen?

Die Beziehungen zwischen Griechenland und Luxemburg sind seit jeher außerordentlich gut. Und dafür bedarf es nicht unbedingt aufwändiger Staatsbesuche. Nur zur Erinnerung: Der bislang einzige Besuch eines griechischen Staatsoberhauptes im Großherzogtum Luxemburg reicht zurück ins Jahr 2001. Und die letzte großherzogliche Visite in Athen liegt sogar noch weiter zurück (1987). Viel wichtiger aber sind die direkten Austausche zwischen Menschen sämtlicher Schichten. Und davon könnten es ruhig noch mehr sein. An gutem Willen mangelt es in dieser Hinsicht nicht. Aber wie so oft scheitern viele auch noch so gut gemeinte Initiativen am Geld – leider. Dass Griechenland derzeit in seinen Möglichkeiten begrenzt ist, seine Kultur nach Luxemburg zu bringen, ist unter den gegebenen Umständen verständlich. Vielleicht aber könnte sich Luxemburg stärker einbringen und vermehrt Künstler und Kunst aus Griechenland zur Gestaltung der Programme seiner nationalen Kulturinstitutionen einladen. Der weiteren Annäherung zwischen beiden Völkern wäre es nur förderlich.

Was halten Sie vor der heutigen Medienlandschaft in Luxemburg? Welche Rolle spielen die digitalen Medien und die Presse zur Bildung der öffentlichen Meinung? Welche Rolle spielt die Sprache in diesem Sinne?

Auch in Luxemburg steht die Medienlandschaft vor großen Veränderungen. Die Printmedien, die in deutscher bzw. französischer Sprache erscheinen und zum Teil auch beide Sprache in ein und derselben Ausgabe mischen (diese besondere Eigenart ist Teil des kulturellen Reichtums des Landes), tragen zwar immer noch einen gewichtigen Teil zur öffentlichen Meinungsbildung bei, haben aber längst nicht mehr den Stellenwert von noch vor 30 und mehr Jahren. Investitionen in Online-Auftritte sind kostspielig und erwirtschaften nur bedingt Werbeeinnahmen. Dass gut recherchierte und gut aufbereitete Informationen – ob im klassischen Print oder auch digital im Internet – ihren Preis haben, wollen viele Zeitgenossen nicht wahrhaben. Für Presseprodukte wollen sie kaum Geld ausgeben, weil sie der Meinung sind, ihre Informationen auch anderswo und zudem umsonst erhalten zu können. Dieser leider unumstößliche Umstand bleibt auch nicht ohne Einfluss auf die Sprache. In seriösen Medien bleibt die Pflege der Sprache nicht außen vor, was im sogenannten Free-Bereich keineswegs der Fall ist, weil auch sie ohne finanziellen Aufwand nicht zu bewerkstelligen ist.

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Griechenland hat neulich den Mediensektor umfänglich reformiert und die audiovisuelle Produktion in Priorität gesetzt. Sehen Sie vielleicht eine Chance darin, dass sich eine eventuelle Zusammenarbeit zwischen luxemburgischen und griechischen Filmproduzenten in der Zukunft entwickelt?

Dass Griechenland der audiovisuellen Produktion größere Priorität einräumt, ist eine weise Entscheidung. Damit vermag das Land ohne jeden Zweifel seine großen Vorzüge noch besser auszuspielen. Neben seinem Klima und seiner Gastfreundschaft hat das Land einzigartige Naturlandschaften zu bieten, um die andere Länder es nur beneiden können. Dass sich Investitionen in den Film lohnen, zeigt sich am Beispiel Luxemburgs. Das Großherzogtum hat diesen Schritt schon vor mehreren Jahren unternommen und ihn bislang nicht bereut. Eine Zusammenarbeit zwischen luxemburgischen und griechischen Filmproduzenten wäre sicherlich wünschenswert und würde alle Verfechter der griechisch-luxemburgischen Freundschaft mit Freude erfüllen. Ob sie allerdings realistisch ist, vermag ich nicht zu beurteilen.

Zum Abschluss, eine letzte, etwas persönliche Frage, wenn Sie erlauben: Wann reisen Sie wieder nach Griechenland?

Ich war zuletzt Anfang Juni in Griechenland im Dreieck zwischen Athen, Ägina und Sounion unterwegs. Und Ende Oktober darf ich erneut nach Athen reisen. Ab dem Hafen in Pirδus werden dann Rhodos, Heraklion, Santorini und Argostolion angelaufen …

Ich bedanke mich ganz herzlich für Ihre Zeit und für Ihr Interesse an Griechenland.

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