Man hat vielleicht von Venus of Milos oder Aphrodite of Milos gehört. Aber was ist Milos? Sie ist eine Kykladeninsel in der südlichen Ägäis, eine ruhige und eine der unbekanntesten Eilande der Kykladen.

Ähnlich wie die weltberühmte Insel Santorin ist auch Milos durch eine Vulkanexplosion in Urzeiten entstanden. Anders jedoch ist ihr Bekanntheitsgrad. Auch wenn sie in den letzten Jahren mehr und mehr entdeckt wird, ist Milos immer noch heute nicht so sehr vom starken Tourismus belastet und wohl eines Besuches wert – vor allem im Frühjahr oder im Herbst, wenn die kleinen Fischerdörfer mit ihren bunten Bootshäusern in allen Regenbogenfarben den eigentümlichen, ursprünglichen Zauber zurückgewinnen.

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Eine Marmorstatue hat die Insel bereist im 19. Jh. weltbekannt gemacht. Ein Bauer namens Georgios Kentrotas ⸺auf der Suche nach Baumaterial⸺ entdeckte am 8. April 1820 in den Ruinen des antiken Theaters eine der schönsten Skulpturen aus hellenistischer Zeit (sie entstand gegen Ende des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts), welche die Göttin Aphrodite darstellt.

Er informierte einige Franzosen, die derzeit auf der Insel nach antiken Gegenständen suchten. Damals war noch ganz Griechenland dem osmanischen Reich unterworfen. Von dem einzigartigen Fund erfuhr wenig später der französische Botschafter in Konstantinopel Charles François Riffardeau de Rivière. Es gelang ihm, dank seiner vielseitigen Kontakte, die Skulptur für Frankreich zu erwerben. Die Venus von Milos wird heute im Louvre-Museum ausgestellt und gehört ohne Zweifel zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten von ganz Paris.  

Milos erreicht man heute entweder mit der Fähre, die von Piräus ausläuft und in ca. vier Stunden im Adamas-Hafen ankommt. Viel schneller ist natürlich der Flug, der nicht ganz eine Stunde lang dauert. Rot leuchtende Felsen, bizarre Formationen aus weißem Tuff, heiße Quellen im Sand und im Wasser werden einen jeden Besucher, der nicht bloß als Tourist, sondern als Naturbewunderer dahinfährt, sicherlich ins Staunen versetzen.

Schon mal in Adamas angekommen, lohnt sich auch die Besichtigung der Kirche zur Himmelfahrt der Jungfrau Maria, die im Jahr 1870 an der höchsten Erhebung des Ortes von kretischen Flüchtlingen erbaut wurde. Weitere Sehenswürdigkeiten in Adamas sind das Museum für Mineralien und das Museum für sakrale Kunst, welches in der eintausend Jahre alten Kirche Agia Triada (Heilige Dreifaltigkeit) untergebracht ist.

Plaka, eine Ortschaft, die nördlich von Adamas liegt, ist offiziell der Hauptort von Milos. Eine andere bekannte Kirche auf Milos ist die ältere, 1738 erbaute Panagiá Thalassitra, die der Muttergottes und Beschützerin der Seeleute gewidmet ist. In Plaka ist auch die Kirche Panagia Korfiatissa eines Besuches wert, wo man alte Relikte der kretisch-byzantinischen Kunst, wie zum Beispiel die vergoldete Ikonostase aus dem späten siebzehnten Jh. bestaunen kann.

Im Archäologischen Museum kann man die Göttin der Liebe, Aphrodite, bewundern, allerdings nur eine Reproduktion der mittlerweile weltberühmten Aphrodite von Milos. Man kann auch die antike Stadt Melos, eine in vorchristlicher Zeit blühende Stadt, und die beachtlichen Überreste der Stadtmauer sowie das gut erhaltene römische Amphitheater besichtigen.

In der Nähe befinden sich auch die frühchristlichen Katakomben von Milos mit ca. 2000 Gräbern aus dem dritten nachchristlichen Jh. Der Ostteil der Insel beherbergt Abbaugebiete von Mineralien. Immer noch heute, wie auch in den vergangenen Zeiten, kommt ein Großteil der Wirtschaft auf Milos noch immer vom Bergbau und der damit verbundenen Industrie. In diesem Sektor arbeiten tatsächlich mehr Menschen als im Tourismus.

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Milos ist bestimmt eine der vielseitigsten Inseln der Ägäis überhaupt. Fährt man von der Südküste an die wenige Kilometer entfernte Nordküste, dann erfährt man ein Naturwunder. Es handelt sich um den Ort Sarakiniko, eine atemberaubende Landschaft, die nicht umsonst mit einer Mondlandschaft verglichen wird. Schneeweiße, merkwürdige Felsformationen beherrschen diesen schönen Ort, der sich durch Vulkangestein gebildet hat. Bei Windstille, wird gesagt, sei es wohl möglich, von einer brückenähnlichen Klippe hinunter ins Wasser zu springen. Bei stärkerem Wind hingegen herrscht hier wohl eher Lebensgefahr. In einer flussähnlichen Einmündung mitten durch die weißen Felsen ist das Wasser hingegen ruhig und schön zum Baden. Bewundernswert ist für Naturliebhaber und Wanderer übrigens die üppig blühende Pflanzenwelt, die sich in voller Pracht jedes Frühjahr präsentiert. (AL)

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