Das APSIM-Projekt (Applications of Situated Simulations) verfolgt das Ziel, die griechische Kultur mithilfe innovativer Technologien zu fördern und sowohl der breiten Öffentlichkeit als auch jüngeren Generationen den archäologischen Reichtum Griechenlands näherzubringen. Mithilfe einer Augmented-Reality-Anwendung (AR) erhalten Besucher archäologischer Stätten und Museen die Möglichkeit, ein völlig neuartiges, an Videospiele erinnerndes Besuchserlebnis zu genießen.


Die Augmented-Reality-Anwendung CirculAR verwandelt Kultur- und Denkmalstätten in immersive, interaktive Erlebnisse, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbinden. Durch die Kombination wissenschaftlich fundierter Inhalte mit fortschrittlicher 3D-Modellierung, räumlicher Kartierung und Gamification-Elementen ermöglicht CirculAR den Nutzern, Monumente in ihrer ursprünglichen Gestalt direkt in ihrer realen Umgebung zu erkunden. Mithilfe eines Smartphones oder Tablets können Besucher Rekonstruktionen visualisieren, sich frei um die Monumente bewegen und auf dynamische sowie intuitive Weise in historische Erzählungen eintauchen.
Die Anwendung ist kostenlos für Android-Geräte im Google Play Store sowie für iOS im App Store verfügbar.


Die Entwicklung der Anwendung CirculAR ist das Ergebnis einer interdisziplinären Zusammenarbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Fachbereichen, darunter Archäologie, Geschichtswissenschaft, Informatik, Interface-Design, Pädagogik sowie Kulturpolitik. Die Anwendung wurde im Rahmen des europäischen APSIM-Projekts entwickelt, das vom I-SENSE-Forschungsteam des Forschungsinstituts für Kommunikations- und Computersysteme (ICCS) der Nationalen Technischen Universität Athen (NTU) koordiniert wurde.
An dem Projekt waren zudem die Ephorie für Altertümer der Kykladen, das Department für Geschichte und Archäologie der Aristoteles-Universität Thessaloniki (Universitätsausgrabung von Dion), das Epigraphische Museum Athen sowie die Unternehmen GEOANALYSIS S.A. und Comic IKE beteiligt. Die Umsetzung des Projekts erfolgte im Rahmen der Fördermaßnahme „Forschung – Schaffen – Innovieren“ des Generalsekretariats für Forschung und Technologie und wurde von der Europäischen Union kofinanziert.

Die Insel Delos – in der Antike ein heiliger Ort und über Jahrtausende hinweg ein kulturelles, wirtschaftliches und religiöses Zentrum – erwacht mithilfe der innovativen Augmented-Reality-Anwendung CirculAR erneut zum Leben. Mit einem Smartphone oder Tablet können Nutzerinnen und Nutzer eine erweiterte Realitätserfahrung erleben: Sie erwecken die Monumente von Delos virtuell zum Leben, betrachten sie dreidimensional, drehen und umschreiten sie und genießen so ein völlig neues, immersives Besuchserlebnis.
Der Apollontempel, die Stoa und das Haus der Naxier, die Propyläen sowie die Löwenterrasse – Monumente, die heute lediglich in Form architektonischer Überreste erhalten sind – werden durch Augmented Reality und wissenschaftlich fundierte Inhalte anschaulich rekonstruiert.

Mithilfe der Kamera, der in Mobiltelefonen integrierten Sensoren sowie von Algorithmen zur räumlichen Kartierung und Positionierung „liest“ die Anwendung die Landschaft und platziert Monumente oder Spuren der Vergangenheit digital exakt an den Orten, an denen sie sich einst befanden. „Die Nutzerin oder der Nutzer nimmt aktiv teil, lernt und entwickelt eine emotionale Beziehung zum Denkmal, wodurch historische Erinnerung in ein persönliches Erlebnis verwandelt wird. Genau darin liegt das Ziel – eine kreative Wiederannäherung an die Vergangenheit“, erläutert die Forscherin Dr. Tina Katika, Leiterin der XR-Abteilung bei I-SENSE.
(Quelle: apsim-project.eu; amna.gr)

APSIM-Pilotdemonstrationen auf der Insel Delos

Laut Dr. Angelos Amditis, Projektkoordinator und Direktor für Forschung und Entwicklung am ICCS/NTUA, der sich gegenüber der Athener-Mazedonischen Nachrichtenagentur (ANA-MPA) äußerte, „schlagen wir mit dieser Anwendung eine Brücke zwischen der Vorstellungskraft der Gegenwart und dem Leben in der Vergangenheit. Man sieht nicht mehr nur Steine oder Fundamente, sondern Geschichten, Architektur und menschliche Aktivitäten. Die Anwendung wird dadurch zu einem Instrument der Interpretation und des Verstehens sowie zu einem wissenschaftlich fundierten Bildungswerkzeug, das die Bürgerinnen und Bürger von passiven Beobachtenden zu aktiven Entdeckenden macht. Jeder Besuch wird so zu einem Prozess des Entdeckens, Navigierens, des Wissenserwerbs, der Interaktion und der Verbindung.“
Weiter betont er: „Der größte Wert der Anwendung liegt darin, dass sie als Brücke durch die Zeit fungiert, indem sie die Vergangenheit in die Gegenwart und die Gegenwart in die Zukunft trägt. Auf diese Weise trägt sie dazu bei, nicht nur das materielle, sondern auch das immaterielle Erbe der Geschichte zu bewahren – sie schafft Wissen und Erfahrung und fördert eine sinnstiftende Beziehung zwischen Mensch und Ort.“ (Quelle: amna.gr)

Die Anwendung beschränkt sich nicht auf Delos. Mithilfe derselben Technologie können Nutzerinnen und Nutzer auch weitere Monumente in ganz Griechenland erkunden. Ziel ist es, das Angebot künftig um zusätzliche archäologische Stätten zu erweitern.

Die Bischofsbasilika von Dion (Pieria) Das antike Dion in der Region Pieria war eine bedeutende Kultstätte des makedonischen Königreichs. Die römische Kolonie Dion erlebte während der Kaiserzeit, insbesondere in der Spätantike, eine Phase intensiver Blüte. Mit der Erhebung zum Bischofssitz gewann die Stadt zusätzlich an Bedeutung als urbanes Zentrum der weiteren Region. In unmittelbarer Nähe zum Zentrum der antiken Stadt und unweit des Forums wurde im 5. Jahrhundert n. Chr. die sogenannte Bischofsbasilika errichtet, die mindestens zwei aufeinanderfolgende Bauphasen aufweist.

Das Arsenal des Philon (Skeuothekē von Philon) im Hafen von Zea (Piräus)
Das Arsenal des Philon, auch als Skeuothekē von Philon bekannt, befindet sich im Hafen von Zea in Piräus und stellt ein herausragendes Bauwerk dar, das die technologische Kompetenz im Bau und in der Organisation antiker Kriegsschiffe widerspiegelt. Im Jahr 347 v. Chr. beschlossen die Athener, in Piräus ein Gebäude zur Lagerung der Ausrüstung der Kriegsflotte – darunter Segel, Taue und Zelte – während der Wintermonate zu errichten.
Das rechteckige Bauwerk mit einer Länge von 130 Metern und einer Breite von 18 Metern wurde von den Architekten Philon und Euthydomos entworfen. Antike Autoren betrachteten es als eines der bedeutendsten Bauwerke der griechischen Architektur. Die virtuelle Rekonstruktion des Arsenals basiert auf einer vollständig erhaltenen Marmorinschrift, die heute im Epigraphischen Museum von Athen ausgestellt ist.

Originaltext: Greek News Agenda, The CirculAR Application by the National Technical University of Athens Research Team — Bringing Ancient Greece to Life