Kalamata hat eine bedeutende internationale Auszeichnung erhalten: Das Wandgemälde des bildenden Künstlers Kleomenis Kostopoulos (KLE), das Maria Callas in der zentralen Aristomenous-Straße zeigt, wurde von der internationalen Plattform Street Art Cities zum besten Street-Art-Werk der Welt 2025 gekürt. Das Kunstwerk schmückt das Stadtzentrum und ist bereits zu einem neuen Wahrzeichen für Einheimische wie Besucher geworden.
Mit einem dynamischen künstlerischen Ansatz wird das Bild der großen Operndiva Maria Callas im öffentlichen Raum eindrucksvoll zum Leben erweckt. So entsteht eine Verbindung zwischen Street Art und zeitgenössischer griechischer Kultur.

Nach Angaben von Street Art Cities hat Kalamata damit Street-Art-Geschichte geschrieben. „Das monumentale Maria-Callas-Wandgemälde von @kle_omenis wurde bei den Street Art Cities Awards zum Best of 2025 gewählt und ist damit der erste griechische Gewinner überhaupt. Für den Künstler Kleomenis Kostopoulos ist dieses Werk eine lebendige Erzählung über Ort, Erinnerung und kulturelle Kontinuität.“
„Callas ist kein Gedenkporträt, sondern eine symbolische Präsenz – ein Körper, der Kultur zwischen Vergangenheit und Gegenwart trägt“, erklärt er. Natur, Wurzeln, Früchte und Vögel erscheinen als Sinnbilder einer Identität, die aus dem Land und den Menschen erwächst, die es bewohnen.
Die öffentliche Resonanz war überwältigend. „Wenn ein Werk im öffentlichen Raum auf diese Weise angenommen wird, erkennt man, dass es nicht mehr einem selbst gehört, sondern den Menschen, die täglich mit ihm leben“, so KLE.

(Quelle: Street Art Cities)

„Auch bei Street Art Cities war diese Kraft spürbar: ‚Es war unglaublich zu sehen, wie sich ganz Griechenland hinter dieses Wandgemälde gestellt hat. Leidenschaft und Stolz haben gezeigt, wie stark eine kollektive Stimme sein kann. Wir werden bald nach Kalamata reisen, um die Auszeichnung zu überreichen und dieses monumentale Werk persönlich zu erleben‘, erklärt Tiny Tim, einer der Mitbegründer.“ Für KLE ist der Gewinn „ein Moment der Dankbarkeit – kein Endpunkt, sondern Ansporn, weiterhin verantwortungsvoll im öffentlichen Raum zu arbeiten.“ Für Kalamata ist diese Auszeichnung zugleich ein Zeichen dafür, dass Städte sich mit zeitgenössischer Kultur auseinandersetzen können, ohne ihre eigene Identität zu verlieren. Ein Wandgemälde, tief im Ort verwurzelt. Eine Gemeinschaft, die zusammenstand. Eine historische Premiere für Griechenland“.

(Quelle: Kleomenis Kostopoulos)

Im Gespräch mit der Athener Nachrichtenagentur erklärte der Schöpfer des Wandgemäldes, Kleomenis Kostopoulos: „Die Plattform Street Art Cities verwaltet weltweit rund 80.000 bis 85.000 Wandgemälde in etwa 2.000 Städten. Sie traten an mich heran und fragten, ob ich mit meinem Werk am Wettbewerb teilnehmen möchte, bei dem das jeweils beste Wandgemälde eines Monats – in diesem Fall November – gekürt wird.“ Bei der öffentlichen Abstimmung wurde das Werk „Kalamata“ tatsächlich zum besten Wandgemälde des Monats November 2025 gewählt und qualifizierte sich damit automatisch als Kandidat für die Auszeichnung als bestes Kunstwerk des Jahres.

Ein weiteres bedeutendes Werk des Künstlers entstand 2022 in Patras: Das dortige Wandgemälde erinnert an die griechischen „Gerechten unter den Völkern“ und an die Rettung der jüdischen Bevölkerung von Zakynthos. Dargestellt sind der Bürgermeister von Zakynthos, Loukas Karrer, der Metropolit Chrysostomos von Zakynthos sowie Hermandos Mordos mit seiner Ehefrau Eftychia und ihren vier Kindern Rebecca (Becky), Samuel, Moses und Nina (Quelle: Jüdische Gemeinde Athen).

Der Künstler selbst fand jedoch nicht über die Street Art zur Kunst. „Ich bin bildender Künstler und Maler“, betont er und schildert seinen Werdegang, der ein Studium in Athen, fast ein Jahrzehnt in Deutschland sowie schließlich die Rückkehr in seine Heimatstadt Patras umfasste. Dort verspürte er, wie er erklärt, das Bedürfnis, die zeitgenössische Kulturlandschaft in einer Stadt und in einem Land zu beleben, die – so seine Worte – „in den letzten Jahren leider im Niedergang begriffen sind und sich an einem sehr kritischen Punkt befinden“.

Wandmalereien des ArtWalk in Patras:
„IN CHAOS FIND JOY“ von SOTEUR & The Flying Dolphins, Korinthou 406, Patras 2023 (oben links);
„Another Bad Hair Day“ von D*Face, Korinthou 50, Patras 2022 (oben rechts);
„A New Dionysus“ von Mon Devane, Skagiopouliou 32, Patras 2022 (unten links);
„Jacob’s Ladder“ von Leonidas Giannakopoulos, Evdimou 4, Patras 2022 (unten rechts).

Aus diesem Bedürfnis heraus entstand Art in Progress, die von ihm gegründete gemeinnützige Organisation, ebenso wie eine Reihe internationaler Festivals: zunächst Re-culture, später ArtWalk, ein internationales Mural-Festival, das sich derzeit in seiner 11. Ausgabe befindet. „Wir haben in Patras 78 großformatige Wandmalereien realisiert. Es ist möglicherweise eines der renommiertesten Festivals in Europa und darüber hinaus“, erklärt er.
Im Zuge dieser Entwicklung wuchs auch sein persönliches Engagement für Kunst im öffentlichen Raum. „Ich war nie Street Artist. Während des Festivals konnte ich beobachten, wie meine Künstlerkollegen diese ‚magischen‘ Werke in monumentalen Dimensionen schufen. So begann 2018 meine eigene Auseinandersetzung mit der Wandmalerei“, berichtet er.

(Quelle: Kleomenis Kostopoulos)

„Kalamata war ein besonderer Fall. Das Werk entstand nach zahlreichen Gesprächen mit der Stadtverwaltung – in einer Stadt, die nach Angaben des Künstlers erstmals einen derart zentralen Eingriff in den öffentlichen Raum wagt
Aus tiefem Respekt vor dem öffentlichen Raum und angesichts der Tatsache, dass die Stadt ihr erstes Wandgemälde an einem so prominenten Ort erhalten sollte, wollte ich mich mit dem eigentlichen Gesicht der Stadt auseinandersetzen – Kalamata selbst darstellen“, erklärt Kleomenis Kostopoulos.
„Die Wahl von Maria Callas war daher nicht als Hommage an ihre Person gedacht, sondern als symbolisches Medium. Kalamata musste eine weibliche Figur sein. Und da es sich um eine weltoffene Stadt mit Tourismus und internationalem Publikum handelt, erschien mir Callas – auch aufgrund einer entfernten familiären Verbindung – als eine geeignete Repräsentationsfigur“, so der Künstler.

Arbeiten während der Projektumsetzung (Quelle: urbanjoy.gr)


Obwohl das Wandbild anfangs fälschlicherweise als einfaches Porträt interpretiert wurde, stellt der Künstler klar:
„Dies ist kein Porträt von Callas, sondern ein Porträt von Kalamata.“
Das Werk ist reich an vielschichtiger Symbolik: Leben und Tod, Wurzeln und Entwicklung, natürlicher Reichtum und menschlicher Verlust. Auf dem Meeresgrund etwa ist der Geschäftsmann Papadimitriou beim Schwimmen dargestellt – ein Mann, der seinen Namen mit den lokalen Produkten der Stadt verband und viel zu früh verstarb. „Das ist das Schöne an Kunst im öffentlichen Raum“, erklärt der Künstler, „denn das Gebäude selbst ist unmittelbar mit dieser Geschichte verbunden, da der Geschäftsmann einst dort lebte.“

Die Bäume hinter der Figur sind kahl und deuten auf ein tragisches Element hin, während die Vögel – von den melodischen Singvögeln bis zur Krähe – den Kreislauf des Lebens vervollständigen. Auch die Wahl des Fotos von Callas ist bewusst „menschlicher, abgenutzter“ gehalten und weit entfernt von den stilisierten Bildern der Diva. Schließlich fungiert das Kleid als Hinweis auf die landwirtschaftlichen Produkte und die produktive Identität der Region.

Foto: Dimitris Neofotistos / Street Art: KLE
(Quelle: urbanjoy.gr)

Die Realisierung des Projekts war alles andere als einfach. Sie begann Ende Oktober 2025, musste jedoch immer wieder wegen Regenfällen unterbrochen werden und wurde schließlich im November 2025 abgeschlossen. Kurz darauf folgte die internationale Anerkennung, und „Kalamata“ nimmt nun an der großen Wahl zum besten Kunstwerk des Jahres 2025 teil, wobei es Städte und Länder mit langer Street-Art-Tradition und hoher internationaler Reichweite herausfordert
Die Botschaft des Künstlers geht jedoch über persönliche Auszeichnungen hinaus: Sie zeigt die Lebendigkeit und Dynamik der zeitgenössischen griechischen Kunst.

Street Art ist in Griechenland eine vitale Form des Ausdrucks. Besonders in Städten wie Athen und Thessaloniki spiegeln Wandmalereien und Graffiti Themen wie Geschichte, Identität und den urbanen Alltag wider. Beeinflusst von lokalen Traditionen und internationalen Bewegungen hat die griechische Street Art öffentliche Räume in Open-Air-Galerien verwandelt und sich zu einer bedeutenden Stimme für zeitgenössische gesellschaftliche Kommentare entwickelt.

Die Plattform Street Art Cities listet 574 Street-Art-Meisterwerke in Athen:
https://streetartcities.com/cities/athens

Originaltext: Greek News Agenda, Kalamata Made Street Art History!