In einer eindrucksvollen Atmosphäre, geprägt von tiefer Rührung und Bewunderung, empfing das Archäologische Museum Xenokrateion in Missolonghi am Samstag, dem 14. März, das ikonische Gemälde von Eugène Delacroix „Griechenland auf den Ruinen von Missolonghi“ (La Grèce sur les ruines de Missolonghi). Anlass war eine offizielle Pressekonferenz, an der auch die Kulturministerin Lina Mendoni teilnahm. Das Werk wurde vom Museum der Schönen Künste in Bordeaux im Rahmen der Veranstaltungen zum 200. Jahrestag des Exodus von Missolonghi ausgeliehen und wird bis November 2026 im Xenokrateion ausgestellt sein. Seit Sonntag, dem 15. März, hat die Öffentlichkeit die Möglichkeit, das historische Gemälde aus nächster Nähe zu betrachten.

Missolonghi empfängt das ikonische Gemälde von Eugène Delacroix

Nur wenige Monate nach dem heroischen Exodus von 1826 schuf der große philhellenische Künstler ein Werk von außergewöhnlicher symbolischer Kraft – obwohl er die Stadt selbst nie besucht hatte.
Journalist Nikos Aliagas bemerkt: „Es ist eine tiefgehende Reise durch die Zeit, auf der die Kunst uns dazu einlädt, über das Verhältnis zwischen dem Menschen und den unverhandelbaren Idealen des Daseins nachzudenken. Künstlerische Meisterwerke sind nicht bloß visuelle Errungenschaften; sie verkörpern universelle Wahrheiten, die Gesellschaften prägen, Jahrhunderte überdauern und unser gemeinsames Schicksal bestimmen“).

Die Kulturministerin Lina Mendoni und der Journalist Nikos Aliagas bei der Pressekonferenz (Foto: https://www.tanea.gr)

Die Kulturministerin betonte, dass Delacroix’ Wahl von Missolonghi keineswegs zufällig war, da die Dritte Belagerung und der Exodus von 1826 ganz Europa erschütterten und der Stadt einen besonderen Platz im Gedächtnis der Philhellenen sicherten. Wie sie ausführte, verwandelten die monatelange Hungersnot, der Widerstand bis zum äußersten Ende sowie die bewusste Entscheidung der Einwohner, nicht zu kapitulieren, sondern einen zugleich aussichtslosen und erlösenden Exodus zu wagen, Missolonghi in ein zeitloses Symbol der Selbstaufopferung und moralischen Erhabenheit.
Sie hob zudem hervor, dass die spätere Bezeichnung „Heilige Stadt“ für Missolonghi nicht lediglich ehrenhalber verliehen wurde, sondern die Überzeugung widerspiegelt, dass sich dort ein Akt höchster menschlicher Würde vollzogen hat – ein Ereignis, das der Geschichte selbst würdig ist. Nach den Worten der Ministerin ist es gerade diese tiefere moralische Dimension, die Delacroix auf einzigartige Weise einzufangen vermochte.
Mendoni unterstrich ferner, dass sich Delacroix’ Werk nicht auf die bloße Darstellung historischer Ereignisse beschränkt, sondern die geistige Essenz und kulturelle Tiefe der Griechischen Revolution sichtbar macht. Es handle sich um ein Bild von zeitloser Gültigkeit und anhaltender Relevanz, das sich als eines der eindrucksvollsten Symbole des Freiheitskampfes etabliert hat – nicht nur für die Griechen, sondern weit darüber hinaus.

Eugène Delacroix, Griechenland auf den Ruinen von Missolonghi, 1826, Öl auf Leinwand, Maße: 213 × 142 cm (ohne Rahmen). Erwerb: Ankauf durch den Salon der Société des Amis des Arts de Bordeaux, 1852. Musée des Beaux-Arts de Bordeaux (MUSBA)


Sonderausstellung „Exodus, 1826–2026“ in Missolonghi

Das Nationale Historische Museum (NHM) und die Region Westgriechenland veranstalten anlässlich des 200. Jahrestages des Exodus von Missolonghi gemeinsam die Ausstellung „Exodus, 1826–2026“. Sie findet vom 20. März bis zum 15. Oktober 2026 im Chryssogelos-Anwesen in Missolonghi statt.
Die Ausstellung bietet einen kompakten Überblick über die Ereignisse der Zweiten Belagerung von Missolonghi, ihre Auswirkungen sowie ihren Einfluss auf die Herausbildung des nationalen kollektiven Gedächtnisses.

Odysseas Maroulis (1878–1956), Reliefkarte der Befestigungsanlagen von Mesolonghi während der letzten Belagerung, Nationales Historisches Museum

A. Jaquème, „Die verbliebenen Mitglieder der Garnison von Mesolonghi im Moment, in dem sie das Pulvermagazin entzünden, um sich selbst in die Luft zu sprengen“, Ölgemälde, Sammlung Michalis und Dimitra Varkaraki

Polychronis Lembesis (1848–1913), Ioannis Trikoglidis (1891–1962), „Athanasios Razikotsikas“ (1929), Ölgemälde, Nationales Historisches Museum (links), „Christos Kapsalis“ (1881), Ölgemälde, Nationales Historisches Museum (rechts)

Die Ausstellung entfaltet sich auf zwei Ebenen und gliedert sich in zwei Teile. Der erste Teil, der den historischen Ereignissen gewidmet ist, ist in drei thematische Abschnitte unterteilt: (i) die Belagerung, (ii) der Exodus und (iii) das Gedenken. Einzigartige Exponate – darunter Gemälde und Druckgrafiken, persönliche Gegenstände und Waffen, Trachten, Medaillen und Auszeichnungen aus den Sammlungen des Nationalen Historischen Museums sowie Dokumente, Zeitungen und Fotografien aus dem Archiv historischer Dokumente und dem Fotoarchiv der Historischen und Ethnologischen Gesellschaft Griechenlands – sind eigens nach Missolonghi gebracht worden, einige davon erstmals.

Der zweite Teil der Ausstellung widmet sich den Darstellungen des Exodus in der öffentlichen Erinnerungskultur und beleuchtet die Symbolik sowie die Deutungen des Ereignisses anhand von Präsentationen, die auch für ein jüngeres Publikum zugänglich sind.


Konrad Lange (1806–1856), Gedenkmedaille mit symbolischer Darstellung des Exodus von Mesolonghi (1836), Nationales Historisches Museum (links); „Die Frauen von Mesolonghi im Kampf“, Porzellanteller aus der Fayence-Manufaktur Montereau, Nationales Historisches Museum (rechts)

Theodoros Vryzakis (1814 oder 1819–1878), Das Opfer des Kapsalis, Öl auf Leinwand, 134 × 144 cm, Nationalgalerie Athen. Das Opfer des Christos Kapsalis (1826) gilt als ein Akt höchster Selbstaufopferung während des Exodus von Mesolonghi: Der angesehene Bürger ließ das Pulvermagazin sprengen, um zu verhindern, dass die verbliebenen Alten, Verwundeten sowie Frauen und Kinder in osmanische Hände fielen.

Sonderausstellung „Missolonghi 1826: 200 Jahre seit dem Exodus“ im Benaki-Museum

Anlässlich des 200. Jahrestages des Exodus von Missolonghi veranstaltet das Benaki-Museum eine Jubiläumsausstellung, die der Heiligen Stadt Missolonghi, dem Griechischen Unabhängigkeitskrieg und der philhellenischen Bewegung gewidmet ist. Ziel der Ausstellung ist es, einerseits dieses Schlüsselereignis der Griechischen Revolution zu würdigen, das die internationale Öffentlichkeit erschütterte und den Philhellenismus nachhaltig stärkte, und andererseits die Bedeutung und zeitlose Strahlkraft des heroischen Exodus der Einwohner von Missolonghi hervorzuheben.
Anhand ausgewählter Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken, Bücher und Objekte präsentiert die Ausstellung eine umfangreiche und vielschichtige ikonografische Auseinandersetzung mit Missolonghi, dem nationalen Befreiungskampf und dem Philhellenismus. Seltene Exponate aus dem Benaki-Museum, aus der Sammlung von Zeichnungen und Druckgrafiken von Dr. John Robertson sowie aus weiteren Institutionen und Privatsammlungen verdeutlichen, wie das revolutionäre Missolonghi zu einem Bezugspunkt sowohl für den politischen Philhellenismus als auch für die geistige Formierung des modernen Griechenlands wurde.
Die Ausstellung vereint ikonische Werke mit bislang unbekannten und unveröffentlichten Objekten und eröffnet so eine neue, erweiterte Perspektive auf Missolonghi und die Griechische Revolution. Ausgewählte thematische Sektionen – von Ephemera und künstlerischen Praktiken bis hin zur Rolle der Presse, der Familie, der Frauen und öffentlicher Inszenierungen – beleuchten den breiteren kulturellen und ideologischen Kontext der Epoche.


Giovanni Berselli (1802–1860) (Stecher) – Pietro Narducci (1793–1880) (Zeichner), Missolonghitische Mutter mit ihrem Kind, 1837, kolorierte Radierung, Sammlung Spyros Sakalis (links); Bekanntgabe des Todes von Lord Byron in der Zeitung Telegrafo Greco, Ausgabe Nr. 6, 24. April 1824, Britische Schule Athen. Die fremdsprachige Zeitung Telegrafo Greco hatte das Ziel, die internationale Öffentlichkeit über die Ereignisse in Griechenland zu informieren. Sie wurde in Missolonghi in der Druckerei von Johann Jakob Meyer und Dimitris Mestheneas gedruckt; als redaktioneller Leiter fungierte Graf Pietro Gamba (rechts).

Pistole von Lord Byron, Holz und Stahl, Benaki-Museum, Schenkung von R. J. H. Jenkins. Im Jahr 1834 übergab Dionysios Solomos die beiden Pistolen an Lord Nugent, den liberalen britischen Gouverneur der Ionischen Inseln (1832–1835).

Johann Lorenz II. Rugendas (1775–1826) (Zeichner), Der Exodus von Missolonghi, 1826, kolorierte Aquatinta, Benaki-Museum
Alphonse-Marie de Neuville (1835–1885) (Zeichner), Die Verteidigung von Missolonghi, kolorierte Lithografie, Benaki-Museum


Gedenkfächer des Konzerts in der Vauxhall Hall in Paris am 26. April 1826 zur Unterstützung des griechischen Freiheitskampfes, Papier und Holz, Benaki-Museum

Originaltext, Greek News Agenda, Missolonghi – Sacred City: 200 Years Since the Exodus (2/2)