J A N N I S   R I T S O S

STÜRME

Jetzt sind die Stürme da. Die Bäume raufen sich die Haare.
aaa                                               Die ganze Gegend heult.
Es heulen die alten Gerbereien, die eingestürzte Weinkellerei,
die verlassenen Tabakschuppen. Das Meer, zerzaust,
schreit „Haltet ihn“, Haltet ihn“. Ein Treuebruch?
Eine Mordtat? Es gibt keinen Zeugen.
Auch die Delphine, die spottlustigen, sind vernünftig
aaaaa                       geworden. Die hohe Marmortafel
mitten auf dem Platz ist ganz naß von dem Seegang;
Wasser rinnt von den eingemeißelten Namen toter Helden.
Ach, das unbändige Vergessen. Große Schiffe
fahren ein in die Häuser der Fischer. Die alte Frau
ging eben daran, die Hose des Käpten’s zu flicken. Die Garnrolle
ist unters Bett gerollt. An welcher Stelle soll sie sich jetzt
aaaaa                                             bücken? Laß es, mein je.
Was noch zuerst flicken? Die Welt hat so viele Löcher bekommen.

Übertragung von Klaus-Peter Wedekind

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