Antikes Korinth

Wenige Kilometer weit entfernt von Korinth und eine knappe Autostunde von Athen befindet sich die Ruinenstadt des Antiken Korinth. Noch eine archäologische Stätte, würde man denken, da, beim Ansehen der Ruinen kaum etwas seine faszinierende Geschichte verrät. Doch die Stadt, die nah am berühmten Isthmus lag, war in seinen Blütezeiten eine reiche multikulturelle und kosmopolitische Metropole, die ihren Ruhm und Wohlstand dem Handel und der geostrategischen Stelle verdankte.

Korinth entwickelte sich dank seiner geografischen Lage in der Nähe der Landenge zu einer großen Handelsmacht. Über die als Diolkos bekannte Schiffsstraße und die beiden Häfen der Stadt, Lechaion und Kenchreai, konnte der Handel sowohl an Land als auch auf See kontrolliert werden. Die Marktplätze, Werkstätten und Häfen von Korinth wurden von Schiffseignern, Kaufleuten, Hausierern und vielen Handwerkern besucht. Viele korinthische Produkte wie Textilien, Olivenöl und der lokale Poros-Kalkstein waren sehr gefragt. Korinthische Keramik hatte die Märkte überflutet, insbesondere die Aryballos, ein winziges Gefäß, in dem Parfüm gelagert wurde. Amphoren spielten auch beim Transport von Produkten eine wichtige Rolle. Mit Olivenöl, Wein und gesalzenen Lebensmitteln gefüllt, wurden sie auf Schiffe verladen, um durch das Mittelmeer zu reisen.

Die Korinther segelten bereits im 8. Jahrhundert v.Chr. zum Ionischen Meer und zur Adria und gründeten eine Reihe von Kolonien und Handelsposten wie Corcyra (Korfu), Leukas, Ambrakia (Arta), Epidamnos (Durrës), Apollonia (Illyria, Albanien) sowie Syrakus in Sizilien, Italien. Später, als sie ihre Aufmerksamkeit auf die Ägäis richteten, kolonisierten sie Potidaea auf der Halbinsel Chalkidiki in Mazedonien. Antike Schriftsteller und Ausgrabungsfunde zeugen davon, dass Korinth die Lebensweise, das Kunsthandwerk seiner Kolonien stark beeinflusst hat. Durch die Gründung von Kolonien dominierte Korinth die Marktplätze des Mittelmeers und entwickelte sich zu einer mächtigen Metropole.

ApollonTempel

Die Stärke Korinths prägte auf grandiose Weise prächtige Gebäude wie den Apollon-Tempel (560 v. Chr.), wobei, durch die Erhebung der Isthmischen Spiele, die im korinthischen Heiligtum von Poseidon und Amphitrite in Isthmus stattfanden, zum Status der Panhellenischen Spiele ( 584 v. Chr.), wuchs der Ruhm und Einfluss der Stadt noch weiter. Ab dem Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. verdunkelte der Aufstieg Athens und seine Dominanz bei der Herstellung von Keramikvasen und im Mittelmeerhandel allmählich den Einfluss der Korinther, insbesondere nach den Perserkriegen (490-479 v. Chr.), wo, trotz ihrer starken Beteiligung waren die Korinther gezwungen, dem Primat der Athener nachzugeben.

Im Peloponnesischen Krieg (431-404 v. Chr.) verbündete sich Korinth offen mit Sparta und ermahnte die Spartaner von Anfang an, ihr Militär gegen die Athener zu wenden. Trotz der Niederlage Athens und trotz seiner Beteiligung an einer Reihe anderer militärischer Operationen, darunter der sogenannte „Korinthische Krieg“ gegen Sparta (395-387 v. Chr.), konnte die Stadt Korinth ihre frühere Streitmacht nicht zurückgewinnen. Mit der Organisation einer panhellenischen Konferenz in Korinth im Jahr 337 v. Chr. durch König Philipp II. von Mazedonien, der damals aufstrebenden Macht in der griechischen Welt, kehrte Korinth vorübergehend in den Mittelpunkt zurück, erlag jedoch sehr schnell den Mazedoniern. Nach dem Ablegen des mazedonischen Jochs im Jahr 243 v. Chr. durch Aratus von Sicyon folgte der Beitritt zur Achäischen Liga, einer Vereinigung der Stadtstaaten Südgriechenlands. Trotzdem führte der Gegensatz zwischen der Liga und Rom 146 v. Chr. zur gefeierten Schlacht von Leukopetra in der Region Isthmus, wo die griechischen Truppen von den römischen Legionen unter Lucius Mummius niedergeschlagen wurden. Wie griechische und römische Autoren berichteten, folgte auf die militärische Niederlage die vollständige Zerstörung und Verwüstung der Stadt.

Ungefähr ein Jahrhundert später, 44 v. Chr., beschloss Julius Cäsar, in Anerkennung seiner besonderen geografischen Bedeutung in seiner umfassenderen Strategie für das östliche Mittelmeer, Korinth als römische Kolonie neu zu gründen. Sein gewaltsamer Tod im selben Jahr hat seinen großartig inspirierten weitreichenden Plan nicht zunichte gemacht; er wurde von seinem Nachfolger Octavian Augustus ausgeführt. Die neue Stadt hieß "Colonia Laus Iulia Corinthiensis" oder "Clara Laus Iulia Corinthus" oder "Iulia Corinthus Augusta" als Kolonie der julianischen Familie von Cäsar und Augustus (Gens Iulia) und wurde 27 v. Chr. die Hauptstadt der römischen Provinz Achaia (Provincia Achaiae), die einen großen Teil des griechischen Festlandes, den Peloponnes und zahlreiche Inseln umfasste. Aufgrund der Entvölkerung nach der Schlacht von Leukopetra wurde die Stadt hauptsächlich von römischen Freigelassenen und Veteranensoldaten besiedelt, die schnell von Griechen gefolgt wurden, die ihrerseits den besonders fruchtbaren Boden ausbeuteten, der von Rom beschlagnahmt und an die jungen Landlosen verteilt wurde. Das Ziel Roms war einerseits die Schaffung einer stabilen römischen Basis im turbulenten Osten und andererseits eine schnellere Überfahrt der römischen Flotte über Diolkos.

RomaikaMouseio

Sehr schnell wuchs die Bevölkerung der Stadt erheblich, da sich die Landwirtschaft, die Viehzucht und der Handel wieder entwickelten und entsprechende Exporte von gewebtem Material, Textilien aus gefärbter Wolle, Olivenöl und Honig sowie Holz- und Metallgegenständen stattfanden. Andererseits führten die Bedürfnisse und Bräuche der römischen Einwohner der neuen Stadt sowie ihre internationale Rolle dazu, dass Waren aus anderen Regionen des Reiches wie Wein und notwendige Baumaterialien (Marmor, Granit) für die neuen luxuriösen Gebäude importiert wurden. Die Stadt wurde nach dem hippodamischen System (Gitterplan) wieder gestaltet. Um das Forum herum wurden prächtige öffentliche Gebäude und private Denkmäler zu Ehren der wohlhabenden Griechen und Römer errichtet, die ihre Präsenz in der Hauptstadt der Provinz nachdrücklich proklamieren wollten.

Korinth erlebte erneut eine Blütezeit und als der Apostel Paulus sie besuchte um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr., war sie bereits eine wichtige römische Stadt im Reich, die von zwei lokalen Führern, den Duoviri, regiert wurde. Trotz der Invasion der Heruli im Jahr 267 und der Schäden durch ein zerstörerisches Erdbeben im Jahr 375 blieb die Stadt stark und wohlhabend und wurde später die Hauptstadt der helladischen Provinz des oströmischen Reiches. 1204 wurde die Stadt von den Franken und später nach dem Fall Konstantinopels 1453 von den Osmanen erobert. Für kurze Zeit blieb die Stadt unter venezianischer Besatzung, die bald von den Osmanen ersetzt wurde, bis zur Befreiung Griechenlands.

Introbild: Antikes Korinth/ Quelle:Archaeological Museum of Ancient Corinth, Ephorate of Antiquities of Corinthia

Quelle: Archaeological Museum of Ancient Corinth, Ephorate of Antiquities of Corinthia

EG

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