Karpathos, die gebirgige griechische Insel, der Sage nach Geburtsstätte der Titanen und Heimat des Feuerbringers Prometheus, liegt auf halber Strecke zwischen Rhodos und Kreta. Etwa 5.400 Einwohner hat die zweitgrößte Dodekanes-Insel – 300 von ihnen leben im abgelegenen Bergdorf Olymbos, das einst zum Schutz vor marodierenden Piraten- und Sarazenenbanden gegründet wurde. Jahrhundertelange Isolation ließ Traditionen und Brauchtum überdauern, die andernorts schon lange verloren gingen.

Das Osterfest ist das wichtigste und größte Fest der griechisch-orthodoxen Kirche. Auf Karpathos und insbesondere in Olymbos ist es eine einzigartige Erfahrung. Am Großen Donnerstag- so nennen die Griechen den Gründonnerstag- werden rote Eier gefärbt, die an das Blut Christi erinnern.

Am Morgen des Karfreitags schmücken die Frauen den sinnbildlichen Sarg Jesu. Wenn er über und über mit Blumen bedeckt ist, wird er mit den Bildern jener Menschen behängt, die im letzten Jahr gestorben sind. Der fertig geschmückte Sarg wird in die Kirche getragen und eine Christusfigur hinein gebettet. Dann stimmen die Gläubigen die Totenklage an. Manche Frauen reißen sich sogar das Tuch vom Kopf und raufen sich die Haare.

Abends wird der Sarg durch den ganzen Ort getragen. Am Karsamstag verändert sich die Atmosphäre. Nach der langen Fastenzeit wird dann am Ostersonntag ordentlich zugelangt. Eine lokale Spezialität ist „Vyzantio“ oder „Vyzanti“. Das Osterlamm wird bereits am Karsamstag mit Reis, Grieß und Innereien gefüllt und im mit Lehm und Schlamm versiegelten „Karpathos-Ofen“ bis zum Ostersonntag gegart. Bis zum Nachmittag kommen dann alle zusammen, die hier wohnen, aber auch diejenigen,  die in aller Welt verstreut leben und arbeiten, um mit der Familie zu feiern.
In der Osternacht verlässt der Priester die Kirche mit dem Ruf „Christós anésti! – Christus ist auferstanden!“. Das Glockengeläut geht jedes Jahr im Krachen und Knallen der Feuerwerkskörper unter. Freunde und Bekannte umarmen einander und wünschen frohe Ostern. Einer sagt: „Christοs anesti!“ und der andere bestätigt: „Alithos anesti!“ (Er ist wahrhaft auferstanden!).

Nach der Messe gehen alle nach Hause, um die „Magiritsa“ - die Ostersuppe, die aus Lammfleisch, den Innereien vom Lamm und Reis gekocht wird- zu kosten.

Der Ostersonntag ist für die Familie reserviert. Am Dienstag nach Ostern, der Lambri Triti, treffen sich alle Frauen in ihren schönsten Gewändern. Olymbos ist der einzige Ort Griechenlands, an dem das Fest der „Lebenden und Toten“ seinen Höhepunkt erreicht. Der schwere Goldschmuck, das ehemalige Zeichen für Wohlstand und Reichtum, reicht bis zur Hüfte. In der Kirche „Kimissis tis Theotokou“ am zentralen Dorfplatz überlassen die Männer den religiösen Teil traditionell den Frauen und Kindern. Nach uralten Riten vollzieht sich ihre Zeremonie zur Auferstehung Christus’ und zum Gedenken der Verstorbenen an einem blumengeschmückten Sarg.
  
Karpathos ist nicht nur bekannt für seine Traditionen. Die Insel ist ein Paradies für Wanderer und Naturliebhaber. Bizzare Gebirgslandschaften mit unvergleichlichen Ausblicken, ursprüngliche Dörfer und menschenleere saubere Strände und Buchten prägen die Insel. Surfbegeisterte, Mountainbiker und Taucher kommen ebenfalls auf Ihre Kosten. Im Frühjahr ist Karpathos mit einem Meer von Blumen, darunter vielen Orchideenarten, überzogen. (Des.V.). 

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