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Die heutige Ferieninsel Santorini, die zu den bekanntesten (und wohl teuersten) Inseln der südlichen Ägäis gehört, wird auch mit dem Namen Kallisti (die Schönste) bei Herodot und dem später reisenden Pausanias erwähnt. Sie wurde bereits im 5. Jahrtausend v. Chr. bewohnt. Im 2. vorchristlichen Jahrtausend allerdings, in der Zeit um 1620 bis 1610 v. Chr., beendete eine gewaltige Vulkanexplosion des immer noch heute aktiven Vulkans, der ehemals mit 1800m aus der Insel herausragte, eine beeindruckende Kultur, deren Überreste unter Lava und Vulkanasche gut erhalten blieben.

Im Jahr 1967 begann der griechische Archäologe Spyros Marinatos mit den Ausgrabungen im Ort Akrotiri im Süden der Insel. Dieser Fundort wurde „bronzezeitliches Venedig der Ägäis“ von dem Archäologen Christos Doumas genannt, der nach Spyros Marinatos die Ausgrabungen erfolgreich fortsetzte. 

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 Die ersten Funde von 1967 und vor allem aus dem Jahre 1970 waren sehr imposant. Nach und nach kam eine großartige Kultur ans Licht, die, vor allem in den weltberühmten Fresken, den anmutigen Wandmalereien, die als die ältesten überhaupt zu den schönsten der europäischen Kunstgeschichte zählen, mit dem Sinn der prächtigen Farben und mit dem Reiz der geometrischen Schönheit lebt.

Im Jahr 1970 erreichten die Ausgrabungen ihren Höhepunkt. In diesem Jahr wurde ein völlig ausgemaltes Zimmer in unberührtem Zustand gefunden. Die Wandmalerei, die sich über drei Wände erstreckt, stellt eine Herde von blaugrünen Affen dar. Sie ist ein herausragendes Meisterwerk und ein einmaliges Dokument dieser Zeit. 

Eine Ecke konnte sehr gut rekonstruiert werden. Die Herde der blaugrünen Affen klettert auf rote Felsen. Die Tiere sind in ihrer individuellen Stimmung und in der Art ihrer Bewegung meisterhaft wiedergegeben. Es fehlt uns leider die Kenntnis des Anlasses dieses Geschehens. Das Bild wird jedoch von einem inneren Frieden und einer großen Anmut gekennzeichnet. 

Die Natur ist oft die Protagonistin in diesen friedlichen Kunstwerken. Die Formen der spitzen und nahezu surreal wirkenden Felsen der vulkanischen Insel, die oft wiederholt in den Fresken vorkommen, werden durch die Darstellung der auf den Felsen wachsenden schönen und edlen Blumen gemildert, die wunderbar duftenden Madonnenlilien.

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Es werden auch Schwalben dargestellt, die einzeln oder zu Paaren durch die duftende Frühlingsluft fliegen. Es handelt sich bei diesen Wandbildern aller Wahrscheinlichkeit nach um religiöse Bilder, die der Göttin, der Mutter Erde, welche die Wiedergeburt der Natur bewirkt, dargebracht wurden, um ihren Segen für die Belebung der trockenen Insel zu erbitten.

Diese und andere einzigartige bronzezeitliche Wandmalereien, insgesamt 28 Werke, werden nun in einer besonderen Ausstellung im Museum von Thera auf Santorin ausgestellt, welche am 4. August dieses Jahres von der griechischen Kulturministerin Lina Mendoni persönlich eröffnet wurde.

Zum ersten Mal sind die bedeutenden Wandmalereien in ihrer Reihenfolge und in ihrer ursprünglichen Komposition an ihrem Entstehungsort zu sehen, nicht nur als großartige Kunstwerke, sondern vor allem in ihrer alltäglichen Funktion, in ihrer authentischen Bedeutung. Dies ist der besondere Verdienst dieser langerwarteten Ausstellung. 

Das Fresko der blauen Affen, der Jüngling mit den Fischbündeln, die boxenden Knaben, eine Schiffsprozession mit den beiden ältesten erhaltenen Stadtansichten der europäischen Kunstgeschichte und vieles mehr erlauben Einblicke in eine lang versunkene Welt, die jedoch immer noch heute lebendig erscheint.       (AL)

 Introbild: Ausstellung im Museum von Thera/ Quelle: Ministerium für Kultur und Sport

 

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