Rebetiko, mit seinen Wurzeln in Kleinasien, ist ein künstlerisches sowie historisches Zeugnis über den Alltag von Flüchtlingen, Illegalen und die Kultur des Untergrunds seiner Zeit. Rebetiko stellt auch das fünfte Element des immateriellen Kulturerbes dar, welches für Griechenland in die repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO aufgenommen wurde.

„Eine unbefriedigte Liebe, die von der zynischsten Haltung ausgeht und mit einer primitiven Intensität bis zu den breiten christlichen Grenzen der Liebe reicht und eine Flucht, die morbid -würde ich sagen- durch Schwäche auferlegt wird, da die Bedingungen für den Mann, der sich mit all seiner Kraft und so viel wie möglich zur Liebe bewegt, so hart wie Metall bleiben. Dies bleibt im Wesentlichen das Thema von Rebetiko bis heute. Und egal wie naiv uns diese Situationen erscheinen mögen, wir können uns zumindest nicht verleugnen, dass die morbide Erotik, die von den Klängen eines langen Zeibekiko zerstreut wird, nicht einmal mit verschiedenen komplexen Formen unter uns zirkuliert, auch wenn sie von tausend verschiedenen Ursachen ausgeht“. Die Worte stammen von dem Komponisten Manos Hadjidakis (1925–1994) aus dem berühmten Vortrag, den er am 31. Januar 1949 im „Aliki-Theater“ am Karytsi-Platz gehalten hat. Rebetiko, eine bis dahin verbotene Musik, zählte nunmehr zu den anderen Musikgenres seiner Zeit. Selten ist von einem einzigen Vortrag eines jungen Komponisten eine so große Wirkung hervorgegangen. Denn seit dieser Zeit gehört diese bis dahin marginale Erscheinung, das Rebetiko-Lied, zu der echten griechischen Musiktradition.

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Ausweis von Manos Hadjidakis als Musikkritiker

Das Rebetiko-Lied, ist ein urbanes Musikgenre, das sich ab etwa der Mitte des 19. Jahrhunderts an der kleinasiatischen Küste, vor allem in Smyrna (heute Izmir) entwickelt hat. Der Musikstil, der in dieser Stadt gebildet wurde, trägt Einflüsse aus West und Ost; wir finden Elemente von westlichen Mandolinaten vor und hören orientalische Orchester mit Violinen, Santours, Outs, Konstantinopel-Leiern und vielen anderen typischen Vertretern. Auch in Konstantinopel entstanden Formen, die eine wichtige Rolle bei der weiteren Gestaltung des Rebetiko-Musikstils in Thessaloniki, Alexandria und unter den griechischen Einwanderern Amerikas spielten. Von den zuletzt erwähnten existiert ein Vermächtnis einzigartiger Aufnahmen von Rebetiko-Liedern ab dem Jahr 1900.

Ein wichtiger Faktor zur raschen Verbreitung dieser neuartigen Kunst war auch der Besuch von Musikern aus Smyrna und Konstantinopel in die städtischen Zentren Griechenlands. Diese Musiker spielten ihre Lieder in Musikcafés, den sogenannten Cafés-Amman, aber auch auf Paddocks und Plattformen und begeisterten das Publikum. Die Cafés - Amman blühten vor allem in Athen in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts auf und waren in der Zeit von 1886 bis 1896 außerordentlich gut besucht. Der Name „amanés“ für diese Art von Lied resultierte aus der häufigen Wiederholung des Wortes „Amman“, das auf Türkisch Barmherzigkeit bedeutet. Auch die Häfen waren natürlicherweise Verbreitungs- und Entwicklungsstationen des einzigartigen Genres, hauptsächlich die Häfen von Ermoupolis, Piräus, Kavala, Heraklion usw. Mit der Ankunft der Griechen Kleinasiens nach der kriegerischen Zerstörung von Smyrna im Jahr 1922 prägten die Flüchtlinge, große Musiker und Sänger in Zusammenarbeit mit den lokalen Kollegen definitiv den Rebetiko-Musikstil.

„Zeibekikos im Rhythmus 9/8 ist der grundlegendste Rhythmus der Rebetiko-Musik. Es kam sicherlich aus dem Tanz 9/8 der Kykladen und Pontus, aber hier hat es seine rhythmische Ausbildung völlig verloren und ist langsam, schwer, lang und umfassender geworden. Es wird von einem einzigen Tänzer getanzt und ist offen für eine unvorstellbare Vielfalt an Improvisation, die nur ein Gefühl für Rhythmus vermittelt“, sagt Manos Hadjidakis weiter in seinem vorhin erwähnten Vortrag. Tatsächlich, die Wurzeln des Genres sollte man in der Ägäis und in der Region des Pontos in der heutigen Türkei suchen.

Ab dem 10. Februar organisiert das kulturelle Amt der Stadt Athen OPANDA (Organisation für Kultur, Sport und Jugend der Stadt Athen) eine große Ausstellung mit dem Thema über die Entstehung und Verbreitung des Rembetiko-Liedes und seiner Blütezeit in der Nachkriegszeit Griechenlands. Es handelt sich um eine große Hommage an eine Kunst, die als Kern „die freudige Trauer“ hat und sehr verwandt mit dem amerikanischen Blues ist. Liebe, Flucht, Armut, Elend, Leid, Klage und Leidenschaft bilden die Hauptelemente dieses Musikgenres. Die große Hommage von OPANDA bringt uns „die Gesänge der verwundeten, einfachen, reinen und sinnlichen Seelen Griechenlands“, so Elias Petropoulos, nahe. Der Autor Elias Petropoulos ist einer der ersten gewesen, der die Entstehung dieses Musikgenres erforschte und ein Standardwerk darüber schrieb.

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Die Rebetes-Musiker: Einige der Protagonisten

Christoforos Marinos, Kunsthistoriker und der Kurator von mehreren Ausstellungen von OPANDA sagte neulich der Wochenzeitung To Vima: „Ich war nicht daran interessiert, in die Bereiche der Musikwissenschaftler und Rebetiko-Gelehrten einzusteigen. Mich hat interessiert, wie Rebetiko als Inspirationsquelle für einen zeitgenössischen Künstler fungieren kann und wie letztendlich durch diese Ausstellung ein kleiner Stein zu dem Bild hinzugefügt werden kann, das wir von Rebetiko haben. Es ist als kreative Kraft zu sehen oder seine Poetik zu erforschen, denn bis jetzt, als wir das Wort hörten, kamen uns die Cover mit den Holzschnitten von Tassos für die Alben von Sotiria Bellos, die Gemälde von Tsarouchis für zeibekiko aus seiner Ausstellung in der Zoumboulakis Gallery in den 80er Jahren und die Illustrationen von Alekos Fassianos in den Büchern von Elias Petropoulos in den Sinn“.

Für die Ausstellung wurde Archivmaterial über Rebetiko aus den Archiven der Gelehrten Charles Howard, Panos Charalambous und Panos Koutroubousis hinzugezogen. Wie Niki K. Arabatzi, Leiterin von OPANDA, neulich sagte: „Rebetiko ist ein wichtiger Aspekt der bürgerlichen Volkskultur… Es ist ein Meilenstein in der Entwicklung der griechischen Musik vor der Kleinasiatischen Katastrophe von 1922. Wie wir wissen, ist 2022 dem Gedenken der vor 100 Jahren hereingebrochenen Kleinasiatischen Katastrophe gewidmet und es ist wirklich berührend, dass OPANDA eine Kunstausstellung über Rebetiko und die Rebetes-Musiker organisiert… Wie die von uns organisierte Ausstellung beweist, übt die Rebetiko-Musik nicht nur weiterhin Einfluss auf Musiker der jüngeren Generation aus, sondern ist auch eine Inspirationsquelle für zeitgenössische bildende Künstler.“

In den Räumlichkeiten der Galerie der Stadt Athen, in Metaxourgío (Gebäude A und Gebäude B), im Kunstzentrum des „Eleftherias Parks“ und im Olympia-Theater „Maria Kallas“ (Akadimiasstr. 59) kann sich ein jeder Besucher in die Zeit des späten 19. Jahrhunderts bis in die Nachkriegszeit des vorigen Jahrhunderts zurückversetzen lassen. Die Ausstellung und die Veranstaltungen dauern vom 10. Februar bis zum 3. April 2022.    

Introbild: Cacao Rocks, Rebetiko (2021)

(AL)

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