Nikos Eggonopoulos (1907–1985) gehört zu jener Generation, welche die griechische Kunst weltweit bekannt gemacht hat. Er war nicht nur ein genialer Maler, der einen eigenen, ja eigenartigen Stil entwickelt hat, sondern auch ein begnadeter Dichter, Essayist und Übersetzer. Er blieb sein Leben lang den Prinzipien der surrealistischen Avantgarde treu, die in Griechenland in den 30er Jahren eher verpönt und verlacht wurde.

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Nikos Eggonopoulos, Der Bürgerkrieg (1948)

Er selbst sagte folgendes dazu: „Ich habe mich nie dem Surrealismus angeschlossen. Ich hatte den Surrealismus in mir, wie ich die Leidenschaft für das Malen in mir hatte, seitdem ich geboren wurde. Aber um zum Wahren, zum Surrealen zu finden, mich frei und ungehindert ausdrücken zu können, das verdanke ich zwei Freunden... Ich war glücklich (ich sage das zum dritten Mal), ich war glücklich, den großen Dichter Andreas Empirikos und den großen Maler Giorgio de Chirico kennenzulernen“. Dies sagte er in einem Vortrag am 6. Februar 1963 in Athen, in einem seinen eher seltenen Auftritten, als er bereits Professor an der Athener Polytechnischen Universität war (Lehrstuhl für dekorative und freie Gestaltung), nachdem er an der Kunstschule bei dem angesehenen Maler Konstantinos Parthenis jahrelang studierte und in der Werkstatt des Malers Fotis Kontoglou als Gehilfe teilnahm. 1938 veröffentlichte er den kleinen Gedichtband „Reden Sie nicht mit dem Fahrer“, der heftige Reaktionen hervorrief und die Ausmaße eines literarischen Skandals annahm. Ein Jahr später organisierte Eggonopoulos seine erste Einzelausstellung.    

Giorgio de Chirico (1888-1978), geboren in der griechischen Provinzstadt Volos, Thessalien, der bereits in den Zeiten des Ersten Weltkrieges surrealistisch malte und Andreas Embiricos (1901-1975), Dichter, Prosaautor und einer der ersten, der die psychoanalytische Praxis nach Griechenland brachte, sind in einem gewissen Sinne seine Kunstlehrer gewesen. Nikos Eggonopoulos wurde mit seiner avantgardistischen Malerei einer der Wegbereiter der griechischen Moderne. Im Jahr 1944 veröffentlichte er das Langgedicht „Bolivar“, das den Höhepunkt seiner Poesie darstellt. Ein Kritiker nannte das Gedicht: „die Hymne an die Freiheit“ für die Generation der 30er Jahre.

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Nikos Eggonopoulos mit Andreas Embiricos (Mitte) und Odysseas Elytis (links)

Eggonopoulos lebte hauptsächlich in Athen, in dem vornehmen Viertel der Stadtmitte Kolonaki. In seinem Haus, wo sich auch sein Atelier befand, bedecken seine Werke jeden Zentimeter der intensiv bemalten Wände. Von hier aus konnte er den Blick auf die Akropolis richten. In einer Ecke stehen immer noch heute seine Pinsel, alles wohlgeordnet, sehr sauber.

Nun organisiert die bekannte V. & M. Theocharakis Stiftung eine große Retrospektive mit Werken aus allen Schaffensperioden des Künstlers. Die Ausstellung trägt den Titel: „Nikos Eggonopoulos. Der Orpheus des Surrealismus“. Bekannte Gemälde, weniger bekannte oder unbekannte Werke aus Sammlungen von Stiftungen, Kunstgalerien und Privatsammlungen werden in den schönen Räumlichkeiten der „Theocharakis Stiftung“ ausgestellt.

Eine Sensation stellen die beiden letzten Arbeiten dar. Es handelt sich um die Gemälde „Der Mensch ist der Prophet David“, eins seiner letzten Werke, und die „mediterrane Muse“, ein Gemälde, an dem er bis kurz vor seinem Tod intensiv gearbeitet hat. Eggonopoulos war nicht lange krank. Er starb plötzlich und völlig unerwartet. Eine Figur in seinem letzten Gemälde sieht aus wie ein Engel. „Es ist, als ob er etwas in den Tiefen seiner Seele gewusst hatte“, sagte neulich seine Tochter Errietti Eggonopoulou einer griechischen Sonntagszeitung.

Mitten in der Pandemiezeit, im November 2020, fand im Bonhams Haus in London eine große Auktion mit Meisterwerken der bedeutendsten griechischen Maler des 19. und 20. Jahrhunderts statt. Ein Gemälde von Eggonopoulos mit dem markanten Titel „Scène homerique“ aus dem Jahr 1938 wurde für eine atemberaubende Rekordsumme verkauft. Damit wurde Eggonopoulos zum teuersten griechischen Maler des 20. Jahrhunderts gekürt.

“Nikos Eggonopoulos. The Orpheus of Surrealism”:

V. & M. Theocharakis Foundation for Visual Arts and Music, (9 Vas. Sofias Ave. und 1 Merlin Str.), vom 9. März bis 19. Juni 2022.

www.thf.gr

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