Vor wenigen Jahren wurde der Stadt Eleusis von der Europäischen Kommission der Titel der „Europäischen Kulturhauptstadt 2021“ verliehen. Die Pandemie, die seit zwei Jahren alle Veranstaltungen nicht nur in Griechenland eingeschränkt oder annulliert hat, steht nun nicht mehr im Wege. Ein neues Kapitel in der Geschichte der  leidgeprüften „Kulturhauptstadt Europas Eleusis“ (ECC) wurde vor kurzem aufgeschlagen, mit der offiziellen Ankündigung , dass die „Kulturhauptstadt Europas“ mit dem neu verliehenen Titel „Eleusis 2023“ ihr Programm für das Jahr 2023 übernehmen und realisieren wird. 

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Eleusis, die griechische Kleinstadt vor den Toren Athens, ist seit der griechischen Antike als Ort der eleusinischen Mysterien berühmt. Eleusis liegt in der fruchtbaren Ebene von Thria, etwa 23 km westlich von Athen, gegenüber der Halbinsel Salamis. Die Kultstätte fungierte für das antike Hellas zunehmend als ein Pilgerort, wo Zeremonien und Feierlichkeiten veranstaltet wurden. Durch den wachsenden Andrang wurde die Kultstätte Eleusis immer wieder baulich erweitert. Eleusis in Attika liegt in einer sehr fruchtbaren Landschaft und schon seit der prähistorischen Zeit war der Anbau von Getreide dort verbreitet. Bereits in der archaischen Zeit existierte ein unscheinbares Heiligtum zu Ehren einer mächtigen Mutter- und Erdgottheit Demeter. Die frühen Riten, mit denen sie als Gründerin und Garant der Getreideernte gefeiert wurde, lassen sich nur noch erahnen. Ackerbau – Getreide – Unterwelt sind die drei Motive, um welche sich die Persönlichkeiten der Götter und die Kulthandlungen in Eleusis drehten und allmählich Konturen erhielten. Dies vollzog sich ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. in erkennbarem Zusammenhang mit der zunehmenden Bedeutung Athens. Manche Zeremonien wurden in geheimen Kreisen hinter verschlossenen Stadtmauern veranstaltet. Enge Wege führen immer noch heute zu weiteren Gängen und zu Räumen auf unterschiedlichem Höhenniveau. Ein wichtiges Bauwerk der Eleusis bildete eine mit Säulen gestützte offene Halle, das berühmte Telesterion.

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Die Eleusinischen Mysterien wurden nach der archaischen Zeit zu einem der bedeutendsten religiösen Festen der Athener. Nach dem Peloponnesischen Krieg, als die dreißig Tyrannen aus Athen vertrieben wurden und kurzzeitig Eleusis besetzten, wurde die Stadt wieder unabhängig (403 v.Chr.), aber die athenische Hegemonie stellte sich innerhalb von zwei Jahren wieder ein. Der gotische Führer Alaric zerstörte Eleusis im Jahr 395 n.Chr. und es blieb bis zum 18. Jahrhundert verlassen, als dann die moderne Stadt Eleusis, heute ein eher industrieller Vorort von Athen, wiederbelebt wurde.

Heute ist Eleusis (das Wort bedeutet immer noch im heutigen Griechisch „die Ankunft“ und gemeint ist das Kommen der Göttin Demeter in dieser Gegend, welche auf der Suche nach ihrer Tochter Persephone war) eine moderne kleine Stadt mit ca. 25.000 Einwohnern. Auch wenn die starke Industrialisierung den alten Zauber des Ortes schmälert, ist Eleusis immer noch einen Besuch wert. Dies ist eine der wichtigsten Botschaften von „Eleusis 2023“, welche der Stadt Eleusis zu einer neuen kulturellen Identität verhelfen sollen.

Was die visuelle Identität von „ELEUSIS 2023“ betrifft, so ist ihre Quelle die Mischung der Kontraste von Eleusis, die sich durch die Geschichte der Stadt zieht. Von der Antike bis heute hat Eleusis nie aufgehört, sich weiterzuentwickeln und sich als einen Ort voller neuer Ideen und des Zusammenlebens verschiedener Kulturen zu offenbaren.  Schließlich stellt besonders die Wahl von Rot als Farbe des Feuers, der Schornsteine, des Blutes und auch der Arbeiterbewegung keinen Zufall dar.

Die Probleme, die sich in den letzten Jahren eher weniger auf das künstlerische Programm, sondern auf die baulichen Einrichtungen und die Infrastruktur, in welchen die Veranstaltungen stattfinden werden, bezogen, sind nunmehr gelöst. Genau das ist die Bedeutung der Kulturhauptstadt. Es ist die Förderung der materiellen und geistigen Präsenz einer Stadt mit Hilfe von Kultur und Forschung.

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Wie auch bei den Olympischen Spielen wird die Einrichtung „Eleusis 2023“ eine Reihe von Infrastrukturen hinterlassen, die einen bleibenden Charakter für die Stadt haben werden. Denn diese Bauwerke werden die kulturelle Aktivität nachhaltig fördern. Ein weiterer Schritt besteht darin, der Stadt einen institutionellen Gestaltungsrahmen zu geben, der nach den Veranstaltungen von „Eleusis 2023“ weiterbestehen wird. 

Vor wenigen Tagen ist die „Spring Forward-Veranstaltung“ zu Ende gegangen. Sie war sozusagen der Auftakt zu den folgenden Aktivitäten von „Eleusis 2023“, welche nächstes Jahr stattfinden werden. Die „Spring Forward-Veranstaltung“ fand in Eleusis im Rahmen von „Moving Europe“ statt, mit Schwerpunkt auf jungen Menschen und Tanz, und mit den Hauptzielen, einen Dialog zwischen griechischen und ausländischen Künstlern zu schaffen, junge und aufstrebende Choreografen aktiv zu unterstützen und über den Titel Kulturhauptstadt Europas hinaus ein neues Publikum für den Tanz in der Stadt zu erschließen.