Diese traurige Geschichte ist fast so alt wie das heutige Griechenland. Es begann alles wenige Jahre vor dem Ausbruch der Griechischen Revolution gegen das osmanische Joch im Jahr 1821. Von 1801 bis 1812 erhielt Thomas Bruce, 7. Earl of Elgin, eine bis heute höchst umstrittene Erlaubnis von der Hohen Pforte (der Sitz der osmanischen Regierung), welche ihm ermöglichte, etwa die Hälfte der erhaltenen Skulpturen des Parthenon–Tempels auf der Akropolis zu erwerben.

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Was dann auch in diesem Zeitraum geschah. Die sogenannten Elgin Marbles oder Parthenon–Skulpturen, welche Elgin im Jahr 1816 dem Londoner British Museum verkaufte, haben schon in seiner Zeit große Empörung, vor allem bei den britischen Intellektuellen, hervorgerufen. Lord Byron, der damals bereits ein bekannter Dichter war, äußerte sich im Jahr 1812 gegen diesen Vandalismus und sprach auch schon ganz eindeutig von einem „Raub“.

Nach der Gründung des heutigen Griechenlands im Jahr 1829 gibt es von der griechischen Regierung immer wieder den Versuch, die Skulpturen zurück zu bekommen. Es handelt sich um Kunstwerke, die der legendäre griechische Bildhauer Phidias geschaffen hat. Die Marmorskulpturen bestehen aus Teilen eines Frieses, Metopen (Einzelbildern mit wenigen Figuren) und Figurengruppen. Sie bilden etwa die Hälfte der erhaltenen Skulpturen des Parthenon–Tempels. Viele ihrer Gegenstücke befinden sich im neuen Akropolis–Museum in Athen, das im Jahr 2009 eröffnet wurde, um die Forderung Griechenlands wahr zu machen, alle Parthenon–Skulpturen unter ein Dach zu bringen. Griechenland spricht seit langem davon, dass die Kunstwerke gestohlen worden seien. Das sieht das Vereinigte Königreich Großbritanniens jedoch anders. Nach Ansicht des Britischen Museums sind sie legal erworben worden und sollen daher auch bleiben, wo sie sich heute befinden.

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Das Thema wurde letzten Oktober von einem beratenden Ausschuss der UNESCO aufgegriffen, der dem Britischen Museum empfahl, den Dialog mit Griechenland zu suchen. 

Offenbar wollen auch viele Briten, dass die Skulpturen des Parthenon–Tempels nach Griechenland zurückkehren. Laut einer letzten November veröffentlichten YouGov–Umfrage sprachen sich 56 Prozent der befragten Briten für die Rückführung der Skulpturen nach Griechenland aus.

Auch andere Stimmen aus dem Vereinigten Königreich Großbritanniens haben sich zu Wort gemeldet. Der Schriftsteller und Aktivist Stephen Fry, der eine Reihe von Büchern über die griechische Mythologie verfasst hat, fordert die Zurückgabe der Skulpturen an Griechenland und hat vorgeschlagen, dass das Londoner Britische Museum statt der Originale, die Werke mittels 3D–Technologie präsentieren könne.

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Die griechische Kultusministerin Lina Mendoni, welche die Politik ihrer Vorgängerin Melina Merkouri fortsetzt, sagte neulich, dass die einzigen Antiquitäten, die Griechenland beansprucht, die Skulpturen des Parthenon–Tempels sind, weil „sie einerseits auf diese Art und Weise gestohlen wurden, wie sie entwendet wurden, und andererseits weil sie eine natürliche und integrale Einheit mit dem Parthenon selbst sind, das das Symbol der westlichen Zivilisation ist. Etwas anderes beansprucht Griechenland nicht. Es fordert nur die Wiedervereinigung der Skulpturen des Parthenon–Tempels“.

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Italien hat vor wenigen Tagen eine historische Entscheidung getroffen. Athen, meint die italienische Regierung, könne für immer ein vom östlichen Fries des Parthenon abgetrenntes Fragment aufbewahren, das den Fuß der Göttin Artemis darstellt, welcher unter einer wunderschön gearbeiteten Tunika auftaucht. Das Artefakt wurde lange Zeit im Archäologischen Museum Antonio Salinas in Palermo ausgestellt.

„Griechenland“, sagte Lina Mendoni, „ist bereit, einen ehrlichen und aufrichtigen Dialog mit dem Vereinigten Königreich Großbritanniens in gutem Glauben und innerhalb des rechtlichen und ethischen Rahmens zu beginnen, der durch die Empfehlungen und Entscheidungen der UNESCO vorgegeben wird“.